
Workshops
von Jan Metzmacher
Wer sich fragt, ob Workshops zum Thema Fotografie lohnenswert sind oder nicht, wird hier eine Antwort erhalten, die nicht gerade hilfreich ist. Denn die angebotenen Workshops sind so verschieden, wie die Fotografen, die sie geben. Zwei Berichte, die (fast) nicht unterschiedlicher sein könnten.
Workshop: Studiotechnik
Anmeldung
Die Anmeldung war sehr einfach. Ein Formular auf der Website des Anbieters fragte nach meiner Anschrift, für welchen Workshop ich mich interessiere und ob ich den Preis von 59,00 Euro, den der Workshop zum Thema »Studiotechnik« kosten sollte, akzeptieren mag. Kurz nach dem Absenden bestätigte eine E-Mail meine Anmeldung.
Vor Ort
Beim Betreten dies Mietstudios wurde ich direkt vom Dozenten des Workshops begrüßt. Ich war einer der ersten der insgesamt sechs Teilnehmer. Bequem in der Sitzecke wartend wurden erste Gespräche über aktuelle Musik, Konzerte oder Fußball geführt. Alles recht locker. Mehr oder weniger pünktlich trafen dann nach und nach die weiteren Teilnehmer ein. Man hat sich auf gar keinen Fall unwohl oder fehl am Platz gefühlt.
Teilnehmer
Da dieser Workshop die Einführung in die Studiotechnik thematisierte, waren natürlich keine erfahrenen Profis dabei. Für die Teilnehmer ist die Fotografie einfach ein (sehr) schönes Hobby. Der eine fotografiert hauptsächlich Sport, der andere schießt Portraits von Krankenschwestern (auf jeder Station ist eine Galerie der Mitarbeiter zu sehen). Eines hatten wir alle gemeinsam, wir wollten lernen, wie man im Studio fotografiert. Jeder Teilnehmer hat mit einer digitalen Spiegelreflex-Kamera gearbeitet. Das Spektrum war recht vielseitig. Von der Canon EOS 350D über die Canon 40D bis zur Canon 1D war alles vertreten. ;)
Inhalte
Der Workshop hat sich speziell an Anfänger gerichtet. So wurde am Anfang zunächst die Theorie erklärt. Der Dozent ging auf die Blende, den Verschluss und auch die ISO-Einstellung ein. Jeder Teilnehmer konnte ihm leicht folgen und natürlich auch direkt Fragen stellen. Nicht nur die Kamera wurde erklärt, sondern auch der Aufbau der Studioblitze und deren Funktionen. Verschiedene Blitze wurden miteinander verglichen und die Vor- und Nachteile erläutert. Dabei wurden die Details nicht nur theoretisch besprochen, sondern auch direkt an den jeweiligen Blitzen vorgeführt. Nach einer kurzen Pause wurden noch verschiedene Zubehörteile zu den Blitzen gezeigt und die jeweilige Funktion erläutert. Der letzte Punkt im Theorie-Teil des Workshops war die Messung des richtigen Lichts. Dabei wurde ein Belichtungsmesser erklärt.
Im zweiten Teil des Workshops ging es dann um die Praxis. Das eben erlernte sollte nun in die Tat umgesetzt werden. Von der bequemen Couch ging es direkt mit der Kamera ins Studio. Der Dozent hat Funkauslöser für die Kameras verteilt und ein Blitz mit einer Softbox aufgebaut. Nachdem mit Hilfe des Belichtungsmessers das Licht korrekt eingestellt worden ist, sollte jeder Teilnehmer ein Foto vom Dozenten machen. Nach und nach wurden weitere Blitze eingebunden und erklärt, welche Auswirkungen diese auf das Bild haben. Schritt für Schritt konnte so jeder Teilnehmer anhand von Praxisbeispielen verfolgen, wie das Licht im Studio positioniert und eingestellt wird.
Licht aus!
Zum Ende des Workshops wurden noch offene Fragen geklärt und jeder Teilnehmer hat eine kurze Dokumentation mit den wichtigsten Erklärungen als PDF erhalten. Letzte Formalitäten, wie die Bezahlung der Teilnahmegebühr, wurden erledigt und Kontaktdaten ausgetauscht.
Mein Fazit
Dies war mein erster Workshop und mein Gesamteindruck ist sehr positiv. Da ich schon einige Erfahrungen in der Studiofotografie hatte, war vieles nicht neu für mich. Allerdings war es sehr interessant zu erfahren, welche Auswirkungen das jeweilige Licht auf das Foto hat. In den drei Stunden, die der Workshop gedauert hat, habe ich einiges an Erfahrung gewonnen, die mir sicherlich in der Studiofotografie weiterhelfen kann.

Ohne Licht keine Fotografie
Nachdem der erste Workshop ein voller Erfolg war, habe ich mich voller Enthusiasmus direkt bei einem weiteren angemeldet. Die Beschreibung war interessant und hat mich sofort überzeugt. Und auch die Modelle waren beeindruckend.
Workshop: Vier Jahreszeiten
In dem Studio waren insgesamt vier Sets aufgebaut, die jeweils eine der Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter zum Thema hatten. Es wurden zum Beispiel 400 Liter Kunstschnee, kleine Bäume und Sträucher, Laub und Tannenzapfen, ein Blumenmeer und 300kg feiner Sand eingesetzt, um diese Vorgabe umzusetzen. Dieser Workshop fand zeitgleich in zwei Studios statt und dauert etwa 8 Stunden. Die vier Schönheiten, die als Modelle dienen sollten, wurden natürlich von einer Visagistin gestylt. Dies alles hat natürlich seinen Preis. 149,00 Euro hat dieser Aufwand den einzelnen Teilnehmer gekostet.
Anmeldung
Wie schon bei dem ersten Workshop »Einführung in die Studiotechnik« war die Anmeldung auch hier sehr einfach, und über ein Formular auf der Website geregelt. Die Pflichtfelder wurden ausgefüllt, die Teilnahme durch eine Bestätigungsmail gesichert.
Ankunft
Nach etwas längerer Anfahrt habe ich das Studio gefunden. Die Tür stand offen, doch mein erstes „Hallo?“ brachte keinen Erfolg. Also machte ich mich auf die Suche nach einen Verantwortlichen. Schnell habe ich die Damen entdeckt, die gerade von der Visagistin gestylt wurden. Vom Dozenten leider keine Spur. Nach kurzer Suche entdeckte ich ihn doch und er meinte nur, ich solle mich schon einmal ins Büro setzen: „Da hinten ist das irgendwo“.
Nachdem ich ein weiteres Model und einen Teilnehmer des Workshops begrüßt habe, die dort schon warteten, habe ich es mir auf der Couch bequem gemacht. Der Workshop-Teilnehmer und die Dame kannten sich bereits und waren in ein Gespräche vertieft. Ich wollte da natürlich nicht stören und habe einfach das Gespräch verfolgt. Vom Dozenten immer noch keine Spur.
Teilnehmer
Nach und nach trafen weitere Teilnehmer ein. Vom Anfänger bis hin zum erfahrenden Fotografen war alles vertreten. Nicht jeder Teilnehmer hat mit einer digitalen Kamera gearbeitet, einige sind immer noch mit Analogen unterwegs und schwören auf die Ergebnisse.
Inhalte
Fotos, Fotos und noch mehr Fotos. Und bitte so schnell es geht. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe konnte an einer der Locations und mit jeweils einem Model arbeiten. So hatte ich als Fotograf maximal zehn Minuten pro Location. In diesen zehn Minuten musste ich mich auf das Model einstellen und dieses mit dem Set in Verbindung bringen. Die Modelle waren zum Glück Profis. Posing, Blick und alles andere wurden vom Model übernommen. Ich musste einfach nur den besten Bildausschnitt suchen und auf den Auslöser drücken.
Die Technik oder der Lichtaufbau wurden hierbei nicht erklärt. Der Workshop war nur dazu da, von den Modellen Fotos zu machen. Der „Leiter“ des Workshops war die meiste Zeit nicht zu sehen. Sollte das Licht einmal verändert werden, hat dieser allerdings gerne geholfen.
Verpflegung
Da das Shooting acht Stunden gedauert hat, gab es vormittags belegte Brötchen und mittags Schnitzel und Kartoffelsalat. Alles richtig lecker. Getränke waren natürlich auch inklusive. Beim Essen in der Küche konnte man den Modellen beim Schminken von der Visagistin zuschauen oder sich mit den anderen Teilnehmern unterhalten.
Schluß
Die Zeit war hier meiner Meinung nach zu knapp kalkuliert. Eigentlich sollte jeder Fotograf die Möglichkeit haben, jedes Modell einzeln an einem Set fotografieren zu können. Leider war dies nicht möglich. Beim Thema Frühling und Winter hatte ich die Option, ein bestimmtes Model einzeln zu fotografieren. Sonst nur alle Modelle gleichzeitig und zusammen. Da die Zeit immer knapper wurde (anscheint sollten wir pünktlich aus dem Studio) hatte jeder Fotograf die Möglichkeit, nur ein paar Fotos zu machen. Länger als 5 Minuten hatte man hier nicht.
Eine Nachbesprechung oder ähnliches gab es hier nicht. Nachdem ich meine Sachen zusammen gesucht und mich von allen Teilnehmern verabschiedet habe, ging es wieder auf die Heimreise.
Mein Fazit
Diesen Workshop kann man mit meinem ersten Versuch absolut nicht vergleichen. Hier war anscheint das Ziel, einfach nur die Modelle zu fotografieren. Erklärungen zum Posing oder der Technik gab es keine. Sollte ich den Workshop in einem Wort zusammenfassen, würde der Begriff „Massenabfertigung“ optimal passen.
Da die Modelle größtenteils nicht auf TFP-Basis arbeiten und das Studio natürlich auch bezahlt werden muss, hat dieser Workshop die Möglichkeit eröffnet, Modelle zu fotografieren, die man sonst nicht so schnell vor die Kamera bekommen hätte. So einen Workshop werde ich allerdings trotzdem nicht mehr besuchen, da die Fotos unter einem großen Zeitdruck entstanden und meiner Meinung nach von der Qualität her nicht ausreichend sind. Zeit und Ruhe sind also neben den Kenntnissen der Technik ebenso wichtig.
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